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Wann sind Ansätze bei Anstrichen akzeptabel, wann stellen sie einen Mangel dar?

Ansätze können bei Anstricharbeiten unabhängig vom Applikationsverfahren auftreten. Häufig lassen sie sich durch eine fachgerechte Ausführung vermeiden, unter bestimmten Bedingungen sind sie jedoch technisch bedingt und nicht vollständig auszuschließen. Entscheidend ist daher die Frage, wann sichtbare Ansätze noch akzeptabel sind.

Ansätze können durch verschiedene Faktoren entstehen:
- unterschiedliche Applikationsverfahren
- unterschiedliches Saugvermögen des Untergrundes
- Chargenwechsel innerhalb einer zusammenhängenden Fläche
- ungleichmäßiges Verschlichten der Beschichtung
- unterschiedliche Applikationsrichtungen
- ungleichmäßiger Farbauftrag
- unterschiedliche oder ungleichmäßige Untergrundstrukturen
- zu spätes Nacharbeiten einzelner Bereiche
- ungeeignete Witterungsbedingungen während der Applikation

Beurteilungskriterien
Die Sichtbarkeit von Ansätzen wird von verschiedenen Einflüssen bestimmt und muss stets unter Berücksichtigung der jeweiligen Randbedingungen bewertet werden.

Lichtverhältnisse
Unterschiedliche Lichtverhältnisse können die Wahrnehmung von Ansätzen erheblich beeinflussen. So können beispielsweise Streifen oder Unebenheiten im Untergrund Ansätze vortäuschen. Sichtbare Rollerspuren entstehen häufig erst durch Streiflicht oder durch Glanz- und Strukturunterschiede, die nur aus bestimmten Blickwinkeln erkennbar sind, etwa am Ende eines Flures oder auf raumhohen Wandflächen.

Untergrund und Beschichtung
Das Saugverhalten des Untergrundes hat einen wesentlichen Einfluss auf das Erscheinungsbild der Beschichtung. Insbesondere bei silikatischen Beschichtungen können stark saugende Untergründe zu sichtbaren Ansätzen führen. Auch technisch notwendige Ausbesserungen auf strukturierten Oberflächen, beispielsweise bei gefilztem Putz oder plastischen Beschichtungen, lassen sich trotz fachgerechter Ausführung nicht immer vollständig ansatzfrei herstellen.

Material- und Werkstoffeigenschaften
Rollspuren sind von der durch das Applikationswerkzeug erzeugten Oberflächenstruktur (Orangenhaut) zu unterscheiden und stellen nicht zwangsläufig einen Mangel dar.
Bei bestimmten Werkstoffen, beispielsweise Eisenglimmerfarben oder Brandschutzbeschichtungen, können materialtypische Eigenschaften ein vollkommen einheitliches Erscheinungsbild erschweren. Sichtbare Ansätze können in solchen Fällen werkstoffbedingt sein.

Als akzeptabel gelten in der Regel:
Ansätze, die ausschließlich unter Streiflicht sichtbar werden.
- Kleinere, technisch bedingte Ansätze bei Ausbesserungen mit Silikat-, Dispersionssilikat- oder Kalkfarben, sofern die Arbeiten fachgerecht vorbereitet und ausgeführt wurden.
- Ansätze, die nur aufgrund besonderer Lichtverhältnisse wahrnehmbar sind und die vereinbarte Qualität nicht wesentlich beeinträchtigen.

Als nicht akzeptabel gelten in der Regel:
Deutlich störende Ansätze in Bereichen mit hohen optischen Anforderungen, beispielsweise in Wohnräumen, Ausstellungsräumen oder auf repräsentativen Fassadenflächen.
Ansätze in Ausbesserungsstellen, die trotz fachgerechter Ausführung deutlich sichtbar bleiben und das Gesamtbild erheblich beeinträchtigen.
Ansätze, die unter üblichen Betrachtungs- und Lichtbedingungen klar erkennbar sind und die vereinbarte Ausführungsqualität nicht erfüllen.
Bei Überholungsbeschichtungen in Lasurtechnik können Ansätze aufgrund des Beschichtungssystems grundsätzlich auftreten. Ob diese als Mangel zu bewerten sind, ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der vereinbarten Ausführungsqualität zu beurteilen.

Fazit:
Die Bewertung von Ansätzen erfordert stets die Betrachtung der konkreten Ausführungssituation. Entscheidend sind insbesondere die Lichtverhältnisse, die Beschaffenheit des Untergrundes, die Eigenschaften des eingesetzten Materials sowie die vereinbarte Ausführungsqualität.
Um spätere Beanstandungen zu vermeiden, sollten die Lichtverhältnisse bereits vor der Ausführung berücksichtigt, Untergründe sorgfältig analysiert und Material- beziehungsweise Chargenwechsel innerhalb zusammenhängender Flächen möglichst vermieden werden. Bei Beschichtungen mit werkstoffbedingten Besonderheiten sollten die zu erwartenden optischen Eigenschaften frühzeitig kommuniziert und dokumentiert werden.

Autor

Dennis Kindermann

Leitung Anwendungstechnik
Tel.: +49 5731 9887-340
d.kindermann@zero-lack.de

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