U wie Untergrundprüfung
Was nützt eine top geklebte Tapete, wenn der Verarbeiter im Vorfeld vergessen hat die Feuchtigkeit der Wand zu messen - und nach ein paar Tagen lösen sich Nähte oder ganze Bahnen. Schludrigkeit wird bestraft und Unkenntnis natürlich auch. „Bedenke, dass du Sorgfalt eher lernen sollst als Fertigkeit“, sagte Leonardo da Vinci.
Und: Was man vor vielen Jahren gelernt hat, ist nicht immer heute noch gültig. Früher wurden zumeist Kalkmörtel, vorwiegend heimische Hölzer und Eisenmetalle beschichtet. Die Palette der Untergründe hat sich jedoch stetig erweitert und auch sogenannte Mischuntergründe sind entstanden. Hölzer oder Holzschnipsel, die mit Kunstharzen getränkt oder gepresst sind, Gipskartonplatten ...
Grundsätzlich gibt es dichte und poröse sowie organische und anorganische Untergründe. Ein dichter Untergrund lässt das Eindringen einer Grundbeschichtung nicht zu, ein poröser Stoff kann stark oder schwach saugend sein. Maler prüfen die Art des Untergrunds und schlagen eine Endbeschichtung vor. Die genaue und sorgfältige Prüfung dieses Untergrunds spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie hat unmittelbar Einfluss auf das Beschichtungsergebnis und die spätere Gewährleistung.
Untergrundprüfungen sind eine allgemeine und in der VOB definierte Pflicht. Leider ist der Maler fast immer auf die Vorleistung eines anderen Handwerks- oder Industriebetriebs angewiesen. Nur wenn der Untergrund für die Beschichtung geeignet ist, kann eine fachgerechte Arbeit hergestellt werden.
Eine gute Hilfe ist hier das BFS-Merkblatt Nr. 20. Hier findet man tabellarisch angeordnet die verschiedenen Untergründe, Bildbeispiele mit Mängeln, die Prüfungsmethoden dazu und ihren Umfang, technische Hinweise und Maßnahmen.
Bei Untergrundprüfungen kann es sich nur um sichtbare und erkennbare Mängel handeln; nicht sichtbare und anderweitig erkennbare Mängel müssen als verdeckt vorliegende Mängel gewertet werden. Der Maler kann natürlich keine tiefergehenden Prüfungen und Laboruntersuchungen vornehmen und nur im Rahmen seiner Möglichkeiten testen. Ist eine spezielle Prüfung notwendig und begründet, muss der Auftraggeber informiert werden.
Wichtigste Prüfungsmethoden sind Inaugenscheinnahme, Wasserbenetzung, Festigkeitsprüfung und Feuchtigkeitstest. Das A und O ist eine trockene, saubere und tragfähige Fläche. Sieht man als Unternehmer Probleme, so kann zunächst der Prüfungsumfang mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten erweitert werden (Lösemittelprobe, PH-Wert-Messung, Schichtdickenmessung).
Stellt man dann aber fest, das die Mängel so gravierend sind, dass wahrscheinlich keine einwandfreie Arbeit erbracht werden kann, meldet der Maler schriftlich Bedenken an. Ein Musterbrief im BFS Merkblatt Nr. 20 und ein Vielzahl von Formulierungsvorschlägen helfen, um solch eine Bedenkenmitteilung möglichst vor Arbeitsbeginn aufzusetzen.