T wie Taut der Farbenmeister
„Farbe ist Lebensfreude“ - sagt Bruno Taut (1880-1938), einer der bedeutendsten Architekten der neuen Sachlichkeit. Während seiner aktiven Schaffenszeit baute er große Wohnquartiere und setzte Farbe als zentrales Gestaltungselement ein.
Kunstmaler wollte er werden, entschied sich dann aber für eine Ausbildung an der Königsberger Baugewerkschule. Nach Stationen in mehreren deutschen Städten studierte er Kunstgeschichte und Stadtplanung in Berlin, gründete dort ein Architekturbüro.
Erste größere Aufträge betrafen die Erstellung von Gartensiedlungen; hier verwirklichte er neue Baumethoden und Planungsansätze. Der Zuzug in die Großstädte war damals enorm, zwischen 1924 und 1932 wurden allein in Berlin 2 Millionen Neubauwohnungen fertig gestellt. Vier dieser von Taut entwickelten und gebauten Siedlungen sind in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.
Wichtig waren ihm die Verbesserung von Lebensgrundlagen, also Wohnungen mit genügend Licht und Luft, im Einklang mit der vorhandenen Natur, Einsatz von Farbigkeit innen wie außen, sinnvolle Einteilung der Räume und optimale Ausrichtung der Gebäude. Mit den Berliner Siedlungen schuf er einmalige Farbsituationen, die ihn weltberühmt machten. 1921 ging er als Stadtbaurat nach Magdeburg und setzte dort seine farbenfrohe Gestaltung fort.
Er schuf Häuserfronten in starken Farben, mit harten Kontrasten. Vor Schwarz schreckte er nicht zurück. Der Purismus der Bauweise (schlichte Fassaden und einfache Baukörper) wurde mit großflächiger Farbigkeit betont. Die Baukosten der Gebäude sollten gering gehalten werden und so kamen oft gleiche, typisierte Bauteile und Grundrisse zum Einsatz (keine Ornamentik). Um die Monotonie der Wohnblöcke aufzubrechen, wählte Taut ein spezielles Gestaltungselement: die Haustür. Unterschiedlich gestaltete Füllungstüren in verschiedensten Fassungen und Farben schmücken seine Wohnblöcke und lassen ein immer wieder neues Bild entstehen. In der Farbe sah er ein preiswertes und einfaches Gestaltungsmittel, um aus grauen Mietkasernen lebendige Wohnobjekte zu schaffen. Er passt die Farbigkeit immer dem Objekt und der vorhandenen Situation an, lehnte starre farbtheoretische Systeme ab.
Taut wählte oft so ungewöhnliche Farbigkeiten, das einige seiner Objekt Spitznamen bekamen. Die Gartenstadt „Am Falkenberg“ wurde umgangssprachlich auch „Kolonie Tuschkasten“ genannt. „Papageiensiedlung“ spotteten die feinen Zehlendorfer Bürger über die dortige Waldsiedlung, die mittlerweile unter Denkmalschutz steht.
Sein Statement zum deutschen Farbentag in Hamburg 1925: „Alles, was irgendwie auf der Welt ist muss irgendeine Farbe haben. Die ganze Natur ist farbig, selbst das Grau des Staubes. Wo Licht ist, muss nun einmal Farbe sein!“ Haben wir also „Mut zur Farbe“: Sehr viel bessere Qualitäten stehen heutzutage dem Maler zur Verfügung, etwa hoch elastische Multifunktionsfarben für außerordentlich attraktive Fassadengestaltung.