S wie seniorengerechte Farbgestaltung
Das Gehör, die Beweglichkeit, die Sehschärfe: Mit den Jahren lassen viele Fähigkeiten nach.
Gilt das auch für die Farbwahrnehmung?
Zunehmendes Alter kann Farbensehen negativ beeinflussen: Die Linse im Auge, durch die das Licht auf die Netzhaut fällt, verfärbt sich im Laufe der Jahre gelblich. Dadurch kann das kurzwellige Licht nicht mehr so gut die Linse durchdringen (Linsentrübung).
Hinzu kommt ein geringerer Pupillendurchmesser der Augenlinse bei älteren Menschen. Auch wird die Signalübertragung in den Nervenzellen verlangsamt, dadurch kann die Leistungsfähigkeit der Zapfen, die für das Farbensehen verantwortlich sind, sinken.
Auf einem Quadratmillimieter Netzhaut befinden sich immerhin rund 15.000 Sehzellen. Die Kontrastempfindlichkeit lässt nach; Senioren benötigen viel höhere Kontraste, um komplexe Objekte zu erkennen und voneinander zu unterscheiden.
Eine britische Studie jedoch hatte bei Probanden zwischen 18 und 75 Jahren Sehtests durchgeführt und festgehalten, dass das Farbsehen im Alter kaum beeinträchtig sei. Ledigich bei der Unterscheidung von Grüntönen gebe es kleinere Auffälligkeiten; man führte das auf die Linsentrübung zurück. Schlicht unberücksichtigt gelassen hatte man dabei die stetig steigende Lebenserwartung - in Deutschland beispielsweise aktuell knapp 81 Jahre. Amerikanische Wissenschaftler haben die Studie ausgeweitet und Probanden bis ins hohe Alter von 102 Jahren getestet. Das Ergebnis: Bei knapp jedem Zweiten über 75-Jährigen sind merkliche Störungen in der Farbwahrnehmnung zu beobachten, ab 95 sind schließlich zwei von drei Senioren davon betroffen.
Die Veränderungen im Farbensehen betreffen in den meisten Fällen die Differenzierung zwischen Blau und Gelb. Die gelbliche Netzhauttrübung, die zu einem verminderten Eintreten des bläulichen Lichts führt, ließ die Probanden den Unterschied bei weniger intensiven Balutönen in Richtung Grüngelb/ Purpur nicht erkennen.
Die genaue Wahrnehnumg von Blautönen ist für ältere Menschen schwer. Der Weißpunkt wird durch die Trübung verschoben und das hat zur Folge, dass Weißes gelblicher erscheint. Zusätzlich können Krankheiten wie Diabetes, Grüner Star oder eine Makula-Degeneration für schlechteres Farbensehen sorgen.
Fazit: Um dem „grauen" Alltag zu entfliehen, machen mutige, sinnliche Farbkonzepte das Leben „bunter".
Zunehmend gilt: „Reiz ist geil". Farbgestaltung für Senioren - ob im privaten Umfeld oder in Einrichtungen - unterliegt dabei einem eigenständigen Anforderungsprofil. Sie ist gleichermaßen Orientierungshilfe und beeinflusst das Wohlbefinden. Und nimmt Rücksicht auf altersbedingte Veränderungen des Sehvermögens von Farbigkeit selbst.