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M wie Metamerie?

Folgende Situation: Maler und Kunde treffen sich zu einer Vorbesprechung in der Ausstellung des Malers. Der Kunde bringt ein Stoffmuster seiner Cafébestuhlung mit. Mit verschiedenen Farbkarten und Mustern legen sie gemeinsam Farbtöne für die zu beschichtenden Wand- und Deckenflächen im Café fest. Fein abgestimmte Töne, in denen sich die Stofffarben wiederfinden sollen. Großer Schock dann aber nach der Umsetzung: Die ausgwählten Farben passen überhaupt nicht (mehr) zum Stoff! Maler und Kunde sind sich aber sicher, dass sie die Farben passend ausgewählt haben. 
Wie kommt diese Farbdifferenz zustande? 

Stoff und Farbton erwecken einen gleichen Farbeindruckund dabei emittieren sie ein unterschiedliches Lichtspektrum. Das Farbspektrum beider Materialien zeigt zwar, dass viele Spektrallinien nahezu deckungsgleich sind, jedoch gibt es Unterschiede, die erst bei einer anderen Beleuchtung zutage treten. 
Das ist ein klassisches Beispiel für Metamerie oder metamere Farben. Abends in der Ausstellung des Malers mit überwiegen Kunstlicht traten die Unterschiede nicht auf, während sie bei viel natürlichem Tageslicht im Café extrem auseinander driften.

Für die Praxis eines Malers bedeutet das, dass Farben auf jden Fall nach Umgebungslicht beurteilt werden müssen. Der Vergleich zweier Farbtöne macht nur dann Sinn, wenn sie unter den „richtigen" Lichtverhältnissen betrachtet werden, die real in diesem Raum vorherrschen.

Die Ursache für verschiedene Farbeindrücke liegt in der Art, wie das  menschliche Auge Farben verarbeitet. Die Farbrezeptoren oder Zapfen auf der Netzhaut mesen den Rot-, Grün-, Blau-Anteil des einfallenden Lichts. Aus den Messwerten der Zapfen konstruiert das Gehirn dann einen Farbeindruck. Ob Apricot oder Hellgelb - der Farbeindruck kann dabei immer auf unterschiedlichste Weise, das heißt, durch verschiedene Farbspektren hervorgerufen werden

Je höher die Metamerie, desto ähnlicher der Farbeindruck. Verändert sich das Umgebungslicht, messen die Zapfen einen unterschiedlichen Farbwert und konstruieren den Farbton anders -  und das Apricot des Stoffmusters ist dann doch nicht mehr dasselbe wie an der Wand.

Die Auswahl der Farbpigmenete und Bindemittel, die das Licht reflektieren, hat ebenfalls Einfluss auf das Verhalten einer Farbbeschichtung unter wechselnder Lichtart (z. B. Glühlampe vs. Sonnenlicht). Eine große Herausforderung für die Farb- und Lackindustrie -  z. B. bei Nachlackierung am Auto. Voraussetzung ist, dass seine Zusammensetzung absolut dem Originalton entspricht.

Autor

Anja Sieker

Farbentwürfe
Tel.: +49 5731 9887-660
farbstudio@zero-lack.de

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