H wie Heimatschutzstil
Dieser Architekturstil prägte Gebäude zwischen 1900 und 1945, als Gegenbewegung zum vorangegangenen Historismus und ultramodernen Stilen wie Neue Sachlichkeit und Expressionismus. Der Dresdener Heimatschutzbund gilt als Nestor dieser konservativen Strömung, die traditionelle Bauformen bevorzugte und regionale Eigenheiten bewahren und herausstellen wollte. Wichtigste Vertreter sind Paul Schmitthenner (Königin-Olga-Bau und Kochenhofsiedlung in Stuttgart), Paul Schultze-Naumburg (Schloss Freudenberg bei Wiesbaden), Heinrich Tessenow (Festspielhaus in Hellerau) und Theodor Fischer (Kunstgebäude am Schlossplatz in Stuttgart).
Während die Neue Sachlichkeit in Großstädten wie Berlin oder Frankfurt reüssierte, entstanden parallel dazu Gartenstadtsiedlungen, prunkvolle Villen, Einfamilienhäuser, Gartenkunst und Kirchenbau im Stil der Heimatschutzarchitektur. Charakteristisch sind steile Satteldächer, Walm- und Krüppelwalmdächer, erkerartige Anbauten, Fensterläden aus Holz und Fachwerk.
Es wurde wenig oder nur sparsam mit Ornamenten gearbeitet, bewusst Naturstein eingesetzt und - vorwiegend im norddeutschen Raum - sehr viel mit ortstypischem Klinker gebaut. Manche Architekten blieben in Stilfragen flexibel: Fritz Höger etwa, führender Vertreter des norddeutschen Backsteinexpressionismus und Architekt des Chilehauses in Hamburg, setzte in Ottensen ein Mehrfamilienhaus ganz im Heimatschutzstil um.
England und seine typischen Landsitze hatten Vorbildcharakter; Hermann Muthesius baute - inspiriert durchs „Arts and Crafts Movement“ (Bewegung des Handwerks durch die Kunst) - in Berlin Villen in solider, handwerklicher Ausführung mit Klinkermauerwerk und Sprossenfenster. Und der Cecilienhof von Paul Schultze-Naumburg in Potsdam ist ein Paradebeispiel für den Stil des englischen viktorianischen Landhaussitzes.
In der NS-Zeit ließen sich Schultze-Naumburg und andere korrumpieren und so haftete dem Heimatschutzstil danach ein Image an, das nicht zutreffend ist. Insbesondere der gewollt regionaltypische Bezug der Bauwerke geriet in Vergessenheit. Heute bietet gerade das „heimelige“ Outfit dieser Gebäude uns Malern recht viele Möglichkeiten mit dekorativer Kompetenz zu punkten – an der Fassade und auf Holz.