A wie Altersgerechte Farbgestaltung
Mit dem Älterwerden verändert sich die Sehleistung des Menschen. Gegenstände, Orte und Personen werden anders wahrgenommen. Die oftmals auftretende gelbliche Netzhauttrübung beeinträchtigt das Farbsehen. Die Leistungsfähigkeit der Augenlinse ist zumeist eingeschränkt, die KontrastempfindIichkeit sinkt. Laut Studien ist die Farbwahrnehmung insgesamt recht stabil; jeder zweite Proband im Alter von über 75 Jahren war jedoch von Sförungen betroffen.
Weiter konnte festgestellt werden, dass die richtige Wahrnehmung von Blaufönen für Senioren eher schwer ist. Extreme Hell-Dunkel-Kontraste stießen in der Regel auf Ablehnung. Man kann davon ausgehen, dass sich ältere oder demente Menschen durch starke Farben geradezu bedrängt fühlen. Helle Farben, die gesamte Weißpalette oder Grautöne werden hingegen als angenehm empfunden.
Grundsätzlich sollte der Ansatz für Senioreneinrichtungen oder private Wohnungen in ausgewogenen Farbgestaltungen liegen. Es gilt trotz der Beeinträchtigungen, ein für ältere Bewohner angenehmes und gut wahrnehmbares Umfeld zu schaffen. Folgende Farbkontraste haben sich in Tests als besonders geeignet herausgestellt: die Kombination von Hellgelb und Hellgrün auf einem dunkleren Grau sowie helle Vordergrundfarben auf anderen dunklen Untergründen, wie Violett oder Blau.
In Untersuchungen wurde das subjektive Farbempfinden (Potenz, Valenz, Erregung) mit den technischen Eigenschaften der Farberscheinung (Buntton, Sättigung, Helligkeit) verglichen. Die höchste Potenzwirkung erzielte die Farbe Gelb, die geringste zeigte die Grün-Blau-Palette. Der Valenzwert einer Farbe definiert, ob diese als positiv oder negativ empfunden wird. Für Ältere ist der Helligkeitswert oft ein Sympathiepunkt.
Farben sind auch ein Orientierungselement - für den Weg in den Frühstücksraum, zum Friseur oder um Bereiche besser einordnen zu können. Ziel sollte es deshalb sein, die verschiedenen Wegweiser und Benennungen für ältere, sehbehinderte Personen gut erfassbar zu machen. Durch die geschickte Kombination von Farben, Formen und großen Buchstaben prägen sich diese Hinweise optimal ein.
Mit einem Anteil an hellen Grau- und Beigetönen lassen sich Farbgestaltungen für Wände und Decken kreieren, die nicht zu dominant sind. Die Ergänzung mit Buntfarben und geometrischen Formen wirkt einer Eintönigkeit entgegen. Gerade der mutige Einsatz von Farbkontrasten, das Zusammenspiel von hellen und dunkleren Flächen, machen die Qualität eines Designs aus. Gleichzeitig gewinnt die Optik damit an Struktur, die wiederum der Orientierung dient.
Weitere Erhebungen ergaben, dass das Aufgreifen von Themen für die Innenarchitektur ein geeignetes Mittel ist, den Bedürfnissen dieser Personengruppen gerecht zu werden. Stimmig gestaltete Räume schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität und sorgen zugleich für eine gute Wiedererkennung. Im besten Fall wird das neue Ambiente von einer für ältere Menschen geeigneten Beleuchtung unterstützt.
Geht es um eine Vielzahl an Räumen, die mit Farbe zu gestalten sind, kann der Einsatz eines Gestaltungsbaukastens helfen. Zuvor definierte Designelemente, wie Farbgruppen und Materialien, dienen dann als Fundus. Auf diese Weise wird ein durchgängiges Konzept über verschiedene Wohneinheiten und öffentliche Bereiche hinweg gewährleistet.