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Hüben wie Düben eine Sensation: Überraschungsei auf großer Fahrt

Blicken wir zunächst etwas zurück, in den Bereich der Entwicklung von Wohnwagen, in die 1930er Jahre. Zu der Zeit erfand ein gewiefter Mann in Sachsen einen sehr leichten, kompakten Wohnanhänger: das sogenannte „Dübener Ei“. Die offizielle Bezeichnung „Würdig 301“ klingt weitaus nüchterner und geht auf den Konstrukteur Max Würdig zurück. Er schuf, aufgrund einer Erfahrung mit eher intoleranten Wirtsleuten, diese aerodynamische Wohnstätte auf Rädern. Hatte man ihn und seine Gefährtin in Ermangelung eines Trauscheins doch einfach als Übernachtungsgäste abgewiesen. 


Die Idee um das Ei: Leichtgewicht

Fortan war es möglich, sich von Hotels und Gasthäusern schlichtweg unabhängig zu machen. Das „Dübener Ei“ erfreute sich in der Folge zu DDR-Zeiten recht großer Beliebtheit, da es auch mit Trabi und Co. mühelos bewegt werden konnte. Aus den ursprünglich sehr rationalen Überlegungen war schließlich der Anhänger in eigenwilliger Tropfenform entstanden, der ein Leergewicht von 300 kg kaum überschritt. Heute ist dieses fahrbare Doppelzimmer in extremer Leichtbauweise nur noch anhand weniger existierender Exemplare zu begutachten. Aber es hat seine Fans – besonders auf den regelmäßig stattfindenden DDR-Wohnwagentreffen.

In mehreren Arbeitsgängen wurde ZERO MagicTouch aufgetragen.


Durch und durch überraschend

Tatsächlich ist die stolze Besitzerin des eiförmigen Campinganhängers, Karin Steinberg, bei solchen Gelegenheiten oft die Einzige mit einem Wohnwagen dieses Typs. Darüber hinaus ist die Aufmachung ihres Einachsers mehr als außergewöhnlich. Wo andere Besitzer ihr „Dübener Ei“ vielleicht mit weißem Lack pflegen und restaurieren, hat Frau Steinberg ihren ganz eigenen Weg gefunden. Ihre „Kuschelkugel“, wie der Leichtbauwohnwagen auch genannt wird, strahlt in Lila. Damit nicht genug: Die Außenflächen sind in einer Spachteltechnik ausgeführt und glitzern noch dazu. Da gerät der Betrachter nicht nur ins Staunen sondern möchte das Riesen-Überraschungsei am liebsten gleich auch noch anfassen.
Beim Fahren von einem Ort zum anderen behandelt Karin Steinberg ihren Campingwagen tatsächlich ein wenig wie ein rohes Ei. Denn der Korpus dieser DDR-Rarität würde einen Crash voraussichtlich sehr übel nehmen. Mag die auf der Außenhaut eingesetzte Beschichtung noch so stoß- und kratzfest sein, Knautschzonen gibt es bei diesem Fahrzeug nicht. Da gilt es einfach, sich Zeit zu nehmen und den Aufenthalt im und am Wagen auf einem Campingplatz zu genießen. Am Abend im Freien zu klönen, mit vertrauten und neuen Freunden und ihrem Hund, das sind die Momente, die Karin Steinberg an ihrer Art zu reisen besonders schätzt.


Bloß kein Mainstream

Dieses Motto könnte man unserer Protagonistin sogleich zuordnen, wenn man ihren Erzählungen lauscht. Gerade dann, wenn es um ihre Urlaubstouren geht. Eine Prise Abenteuer und vor allen Dingen Freiheitsliebe sind auf den selbstgeplanten Reisen immer mit von der Partie. Dabei schwelgt die passionierte Camperin mit dem „Dübener Ei“ in der Farbe Lila heutzutage nahezu im Luxus. Ist sie früher doch gerne ganz unkompliziert per Fahrrad und mit Zelt in die Ferien gefahren. Inzwischen begleitet sie stets ihr treuer Dalmatiner namens Kairos.
Der skurrile Wohnanhänger macht das spontane Reisen mit einem Hund ohne große Vorbereitungen und Absprachen möglich. So klein das „Dübener Ei“ auch ist, bietet es genug Stauraum und Wohnkomfort für die lebensfrohe Dame und ihren Vierbeiner. Mit viel Liebe zum Detail und zu hochwertigen Materialien hat sie dieses Fahrzeug nach dem Kauf runderneuert. Die Verarbeitung der dekorativen Spachtelmasse ist eines der wenigen Gewerke, das sie einem Profi überlassen hat. So wie sie jetzt dasteht, ist die „Kuschelkugel“ einfach „magic.
Das hätte wohl kaum jemand bei einem nostalgischen DDR-Camper erwartet. Und deshalb staunen die anderen Besucher der Wohnwagentreffen nicht schlecht; Karin Steinberg nennt ihre Errungenschaft treffend ihr „Magic-Ei“.


It’s magic: Überall zieht das »Magic-Ei« die Blicke auf sich.


Der Weg dorthin war nicht so leicht

Die Höxteranerin, beruflich als Verfahrensbeistand für Kinder am Amtsgericht tätig, stieß eher zufällig auf das rundliche Gefährt, das in der DDR 1982 vom Band lief. Ein TV-Film mit dem Dorfpolizisten Horst Krause hatte sie zu der Suche nach diesem Modell inspiriert. Am Ende passten Preis, Leistung und wohl auch die Liebe auf den ersten Blick - und so kam das „Dübener Ei“ zwar mit gültiger TÜV-Plakette, allerdings ohne Unterboden zu seiner neuen Besitzerin. In mühevoller Handarbeit und dank fachkundiger Unterstützung hat sie höchstpersönlich die Restauration in Angriff genommen. Der Tipp für die besondere samtig-metallische, aber zugleich hoch abriebfeste Außenbeschichtung kam von einem ihr bekannten Malerbetrieb. Für das auffällige Lila hat sie sich dann schnell aus immerhin 251 Farbmöglichkeiten entschieden.


Samtige Haptik auch im Innern, mit lilafarbenen Applikationen.

Ein klarer Vorteil dabei war sicherlich, dass Karin Steinberg den Ausbau ganz im Sinne ihrer eigenen Anforderungen und die ihres Hundes vornehmen konnte. Im Inneren vom „Magic Ei“ finden sich weitere MagicTouch-Akzentflächen in kräftigem Lila. Gezielt gesetzt im Einklang mit weißen Bereichen und der Sperrholzoptik fühlt man sich in diesem Interieur freundlich aufgehoben. Die Belange des Täglichen wurden natürlich ebenso berücksichtigt. Eine Dusche mit Pumpe, ein Radio mit Kurbel, Solarleuchten und ein Solargenerator lassen es (fast) an nichts fehlen. Und diese Helferlein stehen dem Wunsch nach Simplicity und Unabhängigkeit keineswegs im Wege. Man bzw. frau könnte es wie folgt formulieren: Nutze rundes, kompaktes Reisemobil, das einen Hauch von Magie umweht – bestens geeignet für unvergleichliche, äußerst individuelle Urlaubserlebnisse.


GUT ZU WISSEN
• Damals in der DDR: 10 Jahre Wartezeit.
• Bis 1990 wurden ca. 2000 Stück ausgeliefert.
• Der Verkaufspreis von 6500 Mark entsprach etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Jahreseinkommens.
• Die Maße: 380 cm Länge, 175 cm Breite, 215 cm Steh(!)Höhe.